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50 Jahre Motorflugschule Drucken E-Mail
Dienstag, den 30. Januar 2007 um 01:00 Uhr

lsvWie schwer der Anfang in den 50er Jahren gewesen sein muss lässt sich mit heutigen Maßstäben nur sehr schwer messen. Das große Ziel aber, mit Motorflugzeugen wieder in die Luft zu gehen, wurde mit viel Idealismus und Tatkraft hartnäckig verfolgt.

Das Jahr 1955 brachte die Aufhebung des absoluten Flugverbotes mit Motorflugzeugen und 1956 wurde genutzt um die wichtigsten Weichen für die Genehmigung eines Flugplatzes für den LSV Flensburg zu stellen.

Anfang Januar 1957 gelang es dem LSV Flensburg für einen südlich der alten Start- und Landebahnen gelegenen Teil des ehemaligen Flughafens, das so genannte "Dreieck", die Zulassung als Landeplatz für Motorflugzeuge bis 2500 kg zu erlangen.

Am 30. 1. 1957 war es dann endlich soweit. Der Minister für Wirtschaft und Verkehr des Landes Schleswig-Holsteins erteilte die Genehmigung zum Betrieb einer Motorflugschule.

Was allerdings noch fehlte waren Motorflugzeuge mit denen die Schulung aufgenommen werden konnte. Aber die Flensburger Flieger hatten dieses Problem schon im Vorweg sehr pfiffig gelöst. Bereits am 14.1.1957 hatte man einen Chartervertrag über (5!) Flugzeuge des Typs KZ III und KZ VII aus Sonderburg abgeschlossen!

Die Schulung konnte also ohne weitere Verzögerungen beginnen"!

Die große Begeisterung für die Fliegerei im Flensburger Raum lässt sich u.a. daran ersehen, dass man sofort mit Flugschülern "voll eingedeckt" war. Dieser Umstand ging sicherlich auch auf die lange fliegerische Enthaltsamkeit zurück.

Bereits im Juni 1957 konnten mehr als 2500 Starts und Landungen verzeichnet werden.

Diese Zahlen sind vor dem Hintergrund der vorliegenden Bedingungen nicht hoch genug einzuschätzen:

  • Es gab weder Flugzeughallen noch Unterrichtsgebäude
  • Die Flugzeuge mussten für jeden Tag der Schulung aus Sonderburg abgeholt und Abends wieder zurückgebracht werden
  • Betankung wurde aus Fässern und Kanistern durchgeführt
  • Die Bezeichnung "Acker" für die Landebahn lässt erahnen, dass die Infrastruktur in jeglicher Beziehung noch am Anfang war
  • Der theoretische Unterricht wurde in der Flensburger Berufsschule durchgeführt

Aufgrund der Knappheit des Fluggerätes lagerten die Flugschüler, häufig begleitet von Frau und Kindern, mit Thermoskannen voll Kaffee, sowie Brot oder Kuchen im Gras, um eine naht- und unterbrechungslose Schulung zu gewährleisten. Die Leistungen und Fehler der anderen Flugschüler konnten so direkt beobachtet und diskutiert werden. Diese Tatsache war, nach damaliger Fluglehrermeinung, von nicht zu unterschätzendem Wert für die Ausbildung.

Der folgende Auszug aus dem Tagebuch des Flensburger Fluglehrers Heinz Andersen soll einen Eindruck von den alltäglichen (September 1957) Problemen im Flugbetrieb vermitteln:

"13.15 Uhr Abfahrt nach Sonderburg. Hoffentlich ist dort alles in Ordnung ! Nichts ist in Ordnung! Nur eine KZ VII und eine KZ III sollen wir bekommen. Maschinen sind nicht getankt und voll Kuhmist. Maschinen gewaschen. Nach langer Debatte können wir zweite KZ VII loseisen. Kennzeichen stimmt mit der Genehmigung nicht überein. Referenten des Verkehrsministerium angerufen. Um Änderung gebeten. Genehmigt mit der Auflage, Flugsicherung Hamburg anzurufen. Machen wir später ! Endlich startfertig. Aber denkste – der dänische Zoll ist noch nicht da. Aber auch das geht vorüber. Furchtbar langer Start mit 3 1/2 Personen………"

Die äußeren Rahmenbedingungen begannen sich Ende der 50er Jahre langsam zu verbessern.

Im April 1960 wurde die Flughafenbetriebsgesellschaft gegründet. Damit stand der größte Teil des ehemaligen Flugplatzes Schäferhaus wieder als Flughafen zur Verfügung. Einen kleinen Teil des Platzes konnte der LSV Flensburg auf Erbbaurecht erwerben und schuf damit die Basis für die heute vorhandene Vereinsinfrastruktur.

Im Jahr 1961 konnte der LSV Flensburg sein erstes eigenes Motorflugzeug, eine Piper J3C, erwerben. 2 Jahre später wurde die so gut wie ausschließlich in Eigenarbeit errichtete Flugzeughalle eingeweiht . Kurz darauf konnte die dank der Stiftung des Vereinskameraden Kabelitz errichtete Unterrichtsbaracke ihrer Bestimmung übergeben werden.

Für die Motorflugschule endeten damit die turbulenten Anfangsjahre und die Schulung und Ausbildung konnten in ruhigeren Bahnen verlaufen.

Die Rückschau auf die Anfänge der Motorflugschule LSV Flensburg soll nicht beendet werden ohne sich der Männer der ersten Stunde zu erinnern durch deren Einsatz diese Entwicklung erst ermöglicht wurde:

Der erste Dank geht nach Sonderburg zu Ingolf Nielsen, der die Flensburger Fliegerkameraden in der Anfangszeit mit den so dringend benötigten Flugzeugen ausstattete.

Die Personen die für die wichtigsten Weichenstellungen im LSV Flensburg sorgten und durch ihr nimmermüdes Wirken auch vorantrieben waren der Vereinsvorsitzende Heiner Jipp, der Geschäftsführer "Guschi" Tesch und Kurt Thumm.

Aus Sicht der Motorflugschule sind natürlich die entscheidenden Personen die Fluglehrer und Ausbildungsleiter, die die ersten Schüler und Lehrgänge unter schwierigen Bedingungen ausgebildet und damit den Grundstock für die aufblühende Motorfliegerei im LSV Flensburg gelegt haben. Wir erinnern uns mit großem Respekt an Heinz Andersen, "Putzi" Helms und Gerd Schmitz.

Die Motorflugschule LSV Flensburg feiert am 30.1. 2007 ihr 50-jähriges Bestehen. In der Rückschau dieses doch sehr langen Zeitraumes können wir feststellen, dass sich zwar viele Äußerlichkeiten zum Teil sehr stark verändert haben aber das die Kernelemente und Motivationen von damals fast unverändert geblieben sind:

Der Traum vom Fliegen, die Faszination mit der Schwerkraft zu spielen, die Träume der Schüler, das besondere Beziehungsgeflecht zwischen Flugschüler und Fluglehrer, viel Idealismus und der Wille sein selbst gestecktes Ziel zu erreichen.

Die Motorflugschule LSV Flensburg wünscht auch den zukünftigen Pilotengenerationen allzeit guten Flug und eine sichere Landung.

Der persönliche Dank des Autors gilt unserem langjährigen Vereinskameraden Hans-Werner von Eitzen, der mit seinen Erinnerungen und Dokumenten diese Zeilen ermöglicht hat.

Mit freundlichem Fliegergruß

Enriko Kümmel
Ausbildungsleiter u. Fluglehrer
der Motorflugschule LSV Flensburg

Die Geschichte des LSV Flensburg

 
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